Das Jahr 1989 brachte eine erstaunliche Wende. Ich lebte damals in der Ukraine. Dieses Land gehörte seit ein paar Jahrzehnten zur Sowjetunion und wurde 1991 unabhängig. Ich arbeitete in der Kunststiftung an Glasfenstern und war daran, einem jungen Mann namens Viktor zu helfen, eine Arbeit zu finden. Eigentlich wollte er nach Amerika ausreisen, doch in jener Zeit, unter jenem Regime galt das als Verrat, sodass er keine Arbeit finden konnte. Auch einen Pass zu bekommen, dauerte sehr lange. Zudem benötigte man eine Einladung aus dem Land, in das man reisen wollte. Es war ein Teufelskreis. So nahm ich mich Viktor an und er durfte auf meiner Arbeitsstelle mithelfen. Eigentlich wollte auch ich auswandern. Damals wollten alle, denke ich, fort und dieses arme, elende, verfluchte Land verlassen.
Viktor war Christ und bezeugte das auch. Als wir so zusammenarbeiteten, verstand ich plötzlich, dass Jesus eine reale Person ist, der wahre Herr, der einst im Land Israel lebte. Obwohl jüdischer Abstammung, war mir dieser Gedanke bisher völlig fremd. Als ich aber die Botschaft über Jesus hörte, blieb für mich die Zeit stehen. Ich war so überrascht, so voller Freude! Es gibt den wahren Gott, und er liebt mich! Der Himmel öffnete sich. Ich ging umher und sprach mit Gott.
Meine Freunde aus jenem Leben begannen, sich in der Küche unserer Einzimmerwohnung zu versammeln, und Viktor erzählte und bezeugte uns von Gott. Wir sassen um ihn herum und rauchten. Er sass in diesem Rauch und redete von Gott. Dann schloss ich mich einer Gemeinde an und ging zu den Versammlungen. Von dort brachte ich Kassetten mit Aufnahmen von Predigten und Liedern mit nach Hause.
Eines Tages kam meine Frau von ihrer Arbeit zum Mittagessen nach Hause. Normalerweise ging sie mit Freundinnen essen. Doch heute hörte sie eine der Predigten. Am Ende gab es einen Aufruf und das Lied "Das alt‘ raue Kreuz". Sie kniete nieder und tat Busse. Dann kehrte sie zu ihrer Arbeit zurück. Als sie abends heimkam, erzählte sie, was sie erlebt hatte und sprach freudig von Jesus. Dies geschah sechs Monate, nachdem ich zum Glauben gekommen war. 1990 wurden wir getauft.
Ich wollte auswandern. Inzwischen war es für mich eine entschiedene Tatsache. Mit meinem jüdischen Hintergrund wusste ich, dass ich mich in Israel niederlassen könnte, aber das wollte ich nicht, weil es kein christliches Land war. Darum versuchte ich, nach Amerika oder sonst in ein Land auszuwandern, aber nichts funktionierte. Und dann sagte meine (nichtjüdische) Frau eines Tages 1994:
"Dein Gott ist mein Gott, dein Volk ist mein Volk.
Wenn es irgendwo ein Land gibt, wo ich leben möchte, dann ist es Israel."
Ehre sei dem Herrn! Er berührte mich. Ich ging zur Botschaft, holte die Dokumente und erhielt die Visa. Zwei Monate später kamen wir in Israel an.
Und doch wollte ich wieder wegziehen. Ich dachte, vielleicht wäre es einfacher, in einem anderen Land zu leben. Dann trafen sich am Unabhängigkeitstag drei Gemeinden zu einem Picknick mit Spielen und einer gemeinsamen Lobpreiszeit auf Hebräisch. Diese berührte mich so tief, dass sie mich in einem Augenblick veränderte! Jetzt wollte ich nirgendwo mehr hin. Ich verliebte mich regelrecht in mein Volk, in meine israelischen Mitmenschen, wie auch immer sie sein mochten. Sie sind mir alle lieb. Und Hebräisch begann für mich wie eine Melodie, wie ein Lied zu klingen. Dies ist Gottes Sprache, in der er mit Abraham redete. Die meisten der Schriften, von denen es heisst: "Erforscht die Schriften, denn durch sie werdet ihr ewiges Leben empfangen", sind auf Hebräisch geschrieben, von Gott selbst diktiert und inspiriert.
Berufung zum Dienst
2007 berührte mich Gott und rief mich zum Rehabilitationsdienst. In einem solchen hatte ich mich zwar nie gesehen, aber Gott offenbarte mir, dass dies das Beste für mich sei.
Meine Frau und ich meldeten uns als freiwillige Helfer. Vier Jahre lang verteilten wir auf der Strasse in der alten Tachana Merkazit Mahlzeiten. Tachana Merkazit ist ein Elendsviertel, einer der geistlich dunkelsten Orte in Tel Aviv. Dort gibt es Prostitution, Drogenhandel und das ganze kriminelle Milieu, wo das Unterweltleben brodelt. Direkt gegenüber dem Gebäude, wo sich viele von ihnen versammelten, gaben wir den Menschen zu essen. Ratten liefen herum. Es waren unhygienische Bedingungen, aber wir dienten dort, verteilten Essen und sangen Lieder. Und die Menschen reagierten! Sehr viele kamen durch diesen Dienst zu Jesus. Viele traten in eine Rehabilitation ein.
Hier begann unsere Reise. Jetzt geht sie weiter – Essen verteilen, aber bereits in einer Einrichtung. Viele Dienste sind jetzt daran beteiligt.
Die Ersten, die zur Rehabilitation kamen, waren zwei Frauen. Eine von ihnen war eine "Chefin". Sie hatte Autorität in ihrem Kreis. Später wurde sie selbst ehrenamtliche Mitarbeiterin. Gott vollbrachte Wunder an ihr. Er heilte sie von Krebs. Wunder, die nur der Herr tun kann! Ein Heim für Frauen lag mir immer am Herzen.
2010 eröffneten wir in Jaffa ein Reha-Haus für Männer. Dann zogen wir nach Aschdod, dann nach Aschkelon und jetzt sind wir in Ariel, wo wir zusammen mit zwei Gemeinden viel Arbeit leisten. Auch verteilen wir Lebensmittelpakete an Holocaust-Überlebende.
Ein Traum wird wahr
Im Haus in Aschkelon gibt es jetzt ein Frauenprogramm! Drei junge Frauen dienen dort, und momentan sind drei Frauen im Programm. Es ist zu einem warmen, hübsch eingerichteten Zuhause geworden. Ordnung und Blumen tragen zur Gemütlichkeit bei. Gottes Liebe wird dort ausgegossen.
Die Frucht
Meine Frau ist gläubig, meine Kinder sind zum Glauben gekommen sowie meine Enkelkinder. Bereits besucht meine älteste Enkelin die Jugendgruppe in ihrer Gemeinde. Ehre sei Gott!
Wie die Worte einst lauteten:
"Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen", so ist es in meiner Familie geschehen. Das ist ein grosses Glück. Und es ist ein grosser Segen, Gott zu dienen. Es hat mein ganzes Leben verändert.
Ehre sei dem Herrn für seine Treue! Der heilige Name unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus sei verherrlicht! Amen.
Gaben für die
Obdachlosenarbeit in Ariel leiten wir zu 100 % weiter.
JETZT SPENDEN