Während ich durch die Berge von Judäa nach Sderot fahre, werde ich still. Staunend schaue ich mich um und denke: Was für ein wunderschönes Land! SEIN Land! Israel entscheidet sich für das Leben – warum dieser Hass?
Israel – ein kleiner Punkt auf der Landkarte, umgeben von feindlichen Völkern – und doch existiert es immer noch. Schon in Psalm 2 heisst es:
„Warum toben die Heidenvölker und sinnen auf Sinnloses?“ Gott im Himmel lacht. Und irgendwie kann ich das auch verstehen. Vergessen wir nicht: Der Kampf richtet sich letztendlich gegen den Gott Israels. Israel und Gott sind untrennbar miteinander verbunden. Er ist der Beschützer Israels. Dies ist ein geistlicher Kampf. Beten wir für Israel und segnen wir es, nur dann werden wir selbst Segen empfangen.
In Richtung Sderot unterwegs bin ich mit einem befreundeten Ehepaar aus der Schweiz. Sie sitzen seit Wochen fest und warten auf einen Flug. In der Zwischenzeit reisen sie mit mir. Wie immer sind wir auf der Hut und treffen Vorkehrungen. Sobald die Sirenen losgehen, wissen wir, was zu tun ist: raus aus dem Auto, uns ein Stück weiter weg hinsetzen und die Hände auf den Kopf legen. Es fühlt sich seltsam an, als wäre es nicht real. Und doch ist das das Leben hier. Zwischen den Sirenen geht alles normal weiter.
Und schon wieder Sirenenalarm
Seit Tagen versuche ich, diesen Beitrag zu schreiben, aber es will mir einfach nicht so recht gelingen. Mir fehlt die Kraft. Die Nächte sind kurz. Die Sirenen wecken einen immer wieder auf. Das verursacht ein lähmendes Gefühl. Aber ich weiss auch: Stillstehen hilft nicht. Für mich ist es am besten, anderen zu helfen. Also mache ich mich wieder auf den Weg …
Aber heute ist Bürotag und ich sitze am Schreibtisch. Im Hintergrund höre ich Kinder im Park spielen. Ihre Stimmen sind so unbeschwert, so frei. Und dann, plötzlich – dieses durchdringende Geräusch des Erstalarms auf dem Handy. Innerhalb weniger Minuten ist es völlig still. Jeder weiss, was er zu tun hat. Auch die Kinder eilen rasch nach Hause und in einen Schutzraum.
Haus- und weitere Besuche
Eine niederländische Holocaust-Überlebende. Als ich ihr Zimmer betrete, beginnt ihr Gesicht zu strahlen. Es ist schwer zu sagen, wie viel sie noch mitbekommt. Dann hole ich ein Brötchen mit holländischem Käse aus meiner Tasche. Ihre Augen leuchten auf. „Hmm lecker …“, sagt sie leise. Und dieser Moment – das ist alles: einen Moment geniessen, einen Moment etwas Vertrautes, einen kleinen Moment der Freude an einem Tag, der oft so leer ist. Deshalb kommen und dienen wir.
An einem weiteren Tag besuchen wir eine Gruppe von fünfzehn Schoa-Überlebenden in Jerusalem. Wir bringen ihnen Lebensmittelgutscheine für Pessach. Ich frage vorsichtig: „Traut ihr euch noch, mit dem Bus oder der Strassenbahn zu fahren?“ Ihre Antwort berührt mich: „Wir müssen raus. Ansonsten werden wir in unseren vier Wänden noch verrückt.“ Wir lachen gemeinsam. Es ist warm, schon fast gemütlich. Wir verabschieden uns. Doch bevor wir losfahren, gehen die Sirenen wieder los. Wir gehen zurück, sitzen wieder zusammen, doch diesmal im Luftschutzbunker.
Mehr als 200 Betagte und Schoa-Überlebende erhalten Lebensmittelgutscheine, Matzen und Traubensaft für das Seder-Mahl. Wir werden die Menschen unterstützen, Pessach feiern zu können. Es gehört dazu, weil es ein Auftrag Gottes ist, der von ihm gesetzten Feste zu gedenken und sie zu feiern (3. Mose 23). Gerade auch jetzt. Besorgte Gesichter, aber dankbare Augen. Und gleichzeitig weiss man: Morgen kann schon wieder alles anders sein.
Besuch bei einer Familie: Sie sitzen mir gegenüber, sichtlich erschöpft. „Wie sollen wir das nur schaffen?“ „Ich habe so viel zu tun“, sagt er, „aber mir fehlt einfach die Kraft." Das kenne ich nur zu gut. Sie haben fünf studierende Kinder. Alle Kinder sind wegen des Krieges zu Hause. Sie betreiben ein B&B ohne Gäste. Die Kosten laufen weiter. Wie soll man das überstehen? Wir beschliessen, auch dieser Familie zu helfen. Drei der fünf Kinder erhalten über Yad L’Ami eine Studienbeihilfe.
Yoël ist ein 90-jähriger Holocaust-Überlebender, Dichter und Übersetzer aus Warschau. Vor etwa zehn Jahren zog er nach Be’er Scheva, um in der Nähe seiner Tochter und ihrer Familie zu leben. Letzte Woche ging sein Pfleger kurz einkaufen. In diesem Moment ging die Sirene los. Kurz darauf schlug eine Rakete ein. Seine gesamte Wohnung wurde zerstört.
Jemand konnte dann die Tür aufbrechen und Yoel in seinem Rollstuhl nach draussen bringen. Seine Tochter fand ihn dort, verwirrt, panisch, als würde ihn seine Vergangenheit wieder einholen. Sein Gehör hat sich durch die Explosion weiter verschlechtert. Wir werden ihm mit einem neuen Hörsystem helfen und schauen, was er sonst noch braucht.
Was mein Herz am meisten trifft, ist die Tatsache, dass jemand, der schon so viel durchgemacht hat, dies erneut durchstehen muss.
Be’er Scheva
Ein Raketeneinschlag mitten in einem Wohngebiet; Tausende von Häusern, die beschädigt sind; Hunderte von Menschen evakuiert. Menschen, die buchstäblich nur mit den Kleidern, die sie am Leib tragen, ihr Zuhause verlassen haben. Dutzende von öffentlichen Gebäuden wurden beschädigt, darunter acht Kindergärten, vier Schulen, Sozialeinrichtungen und andere kommunale Einrichtungen. Chaos, Angst und Zerstörung sind die Folgen. Keine Todesopfer – welch ein Wunder, aber so viele Traumata.
Be’er Scheva – ein Ort mit so viel Geschichte. Der Ort, an dem die Vorfahren des jüdischen Volkes (Abraham, Isaak und Jakob) lebten und wirkten. Und heute ist es ein Ort voller Spannung. Der Feind versucht, diesen biblischen Ort zu zerstören.
Die Sozialarbeit schreit um Hilfe für Menschen, die immer noch evakuiert sind. Über sie möchten wir einhundert Menschen mit Gutscheinen für Kleidung und Lebensmittel helfen.
Laptops für Schulkinder
Eine Schule im Süden des Landes fragt nach Laptops für Kinder, die zu Hause keinen haben. Der Unterricht findet während des Krieges über Zoom statt. Doch wie sollen sie ohne Hilfsmittel lernen? Einige Familien haben zwei oder drei Kinder im schulpflichtigen Alter und können sich diese Geräte nicht leisten. Die Schule kauft und verwaltet Laptops und leiht sie vorübergehend an die Kinder aus, die keinen haben. Wir konnten sieben Laptops zur Verfügung stellen, wofür sie sich herzlich bedanken.
Wie wird dieser Krieg weitergehen? Seien wir ehrlich: Es ist schwer! Wir gehen alle auf dem Zahnfleisch; schlafen schlecht. Die Sirenen heulen dauernd. Wir leben ständig in höchster Alarmbereitschaft. Dennoch weiss ich: Nur mit dem Blick auf ihn gerichtet, werden wir es schaffen. Die Bibel spricht von diesen Zeiten. Und ER ist treu. Wir warten weiterhin auf die vollständige Erlösung Israels. Das gibt uns Mut und Hoffnung.
Und Sie, liebe Spenderin, lieber Spender, sind ebenfalls ein Teil dieses Mutes und dieser Hoffnung. Wenn auch vieles nur nach dem berühmten «Tropfen auf den heissen» Stein aussieht, sind es doch viele einzelne kostbare Menschen, die durch unsere Besuche und Liebesgaben neuen Lebensmut bekommen!
Darum danke ich Ihnen von Herzen für Ihre Grosszügigkeit, die uns hilft, weiterhin zu helfen!
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