Marnix van Ede ist Direktor für Internationale Beziehungen bei ZAKA und gibt uns einen Einblick in deren vielfältige Tätigkeitsbereiche.
ZAKA ist eine freiwillige Such- und Rettungsorganisation in Israel mit dem einzigartigen Auftrag, jedem Menschen, auch nach dem Tod, mit Würde zu begegnen.
Dieser Auftrag hat tiefe biblische Wurzeln. Im Hebräischen wird der Mensch „Adam“ genannt, geschaffen aus der „Adamah“ (Erde), verbunden mit „Dam“ (Blut). Jeder Mensch trägt das Ebenbild Gottes in sich. Daraus entsteht eine Verpflichtung, die im Hebräischen als chesed shel emet bezeichnet wird – eine „wahre Barmherzigkeit“, die nichts zurückerwartet. Ebenso spricht man von kvod hamet, der Ehre für den Verstorbenen.
In gewisser Weise erinnert uns das an die Worte Jesu: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Für unsere Freiwilligen wird dieser Gedanke jeden Tag zur Realität – gerade dort, wo das Leid am grössten ist.
ZAKA lebt diesen Auftrag durch ein einzigartiges Netzwerk von Freiwilligen: rund 4’000 in Israel und weitere 2’500 weltweit. Gemeinsam stehen sie bereit, um in den schwierigsten Momenten zu dienen, oft als Erste vor Ort bei Terroranschlägen, Raketenangriffen und Katastrophen.
Diese Arbeit ist längst international geworden und wird unter anderem durch unseren Internationalen Kommandanten Nachman Dyksztejn mitgeleitet. In den vergangenen Jahren war ZAKA weltweit im Einsatz: bei der Brandkatastrophe in Crans Montana in der Schweiz, nach einem schweren Terroranschlag bei einer Chanukka-Veranstaltung am Bondi Beach in Australien, bei Überschwemmungen in Texas sowie in weiteren Kooperationen und Einsätzen in Ländern wie Japan und Nepal. Überall ist es derselbe Auftrag: schnell vor Ort sein, helfen und Würde bewahren.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Realität in Israel tiefgreifend verändert. Auch in diesen Tagen steht das Land weiterhin unter Beschuss. In den letzten Wochen erleben wir erneut intensive Raketenangriffe, die zivile Gebiete treffen. Besonders besorgniserregend sind Raketen, die in der Luft zersplittern und eine grossflächige Gefahr darstellen. Viele dieser Teile explodieren beim Aufprall, andere bleiben zunächst liegen und detonieren später. Das bedeutet, dass selbst nach einem Angriff eine erhebliche Gefahr bestehen bleibt. Für Zivilisten ist dies extrem gefährlich. Menschen verlassen den Schutzraum, denken, es sei vorbei, und stehen doch weiterhin unter Gefahr. Kinder spielen draussen und können auf nicht detonierte Teile treffen. Die Bedrohung ist oft unsichtbar, aber sehr real.
Für unsere ZAKA-Freiwilligen bedeutet dies eine zusätzliche, sehr konkrete Gefahr. Unsere Teams gehen genau dorthin, wo andere sich zurückziehen. Sie betreten Einschlagsorte, oft wenige Minuten nach einer Explosion, um Leben zu retten und den Verstorbenen mit Würde zu begegnen. Dabei sind sie direkt der Gefahr von Splittern und nicht detonierten Sprengkörpern ausgesetzt.
Aus diesem Grund sind splittersichere Helme und Schutzwesten für unsere Teams kein Luxus, sondern lebensnotwendig. Das ermöglicht unseren Freiwilligen, ihre Arbeit fortzusetzen und gleichzeitig ihr eigenes Leben zu schützen.
Neben der Arbeit an den Einsatzorten steht ZAKA auch den Familien der Opfer zur Seite. In Momenten tiefster Trauer sind die Helfer einfach da, manchmal mit praktischer Hilfe, manchmal nur mit ihrer Präsenz. Oft sind es stille Momente, in denen ein Mensch nicht allein gelassen wird.
Auch entlang der israelischen Küste sind unsere Teams zunehmend im Einsatz. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen im Meer vermisst werden. In solchen Situationen ist Zeit ein entscheidender Faktor, und der Zugang zu abgelegenen Küstenabschnitten ist oft schwierig. Mobilität ist hier von enormer Bedeutung.
Ich selbst bin in einer christlichen Familie in den Niederlanden aufgewachsen. Vor etwa zwanzig Jahren kam ich zum ersten Mal nach Israel – eine Reise, die mein Leben nachhaltig verändert hat. Heute darf ich Jerusalem mein Zuhause nennen und hier gemeinsam mit meiner Frau und unseren drei Kindern leben.
In meiner Rolle als Direktor für Internationale Beziehungen habe ich das Privileg, das Bewusstsein für die Arbeit von ZAKA weltweit zu schärfen, internationale Partner mit der Realität vor Ort zu verbinden und die Entwicklung unserer globalen Aktivitäten zu unterstützen.
Und doch ist es auch sehr persönlich. Wenn nachts die Sirenen gehen, bringen wir unsere Kinder in den Schutzraum. Und während wir dort sitzen, wissen wir, dass zur gleichen Zeit unsere Teams bereits unterwegs sind – auf dem Weg zu Orten, die wir uns kaum vorstellen können. Gerade in diesen Tagen wird deutlich, wie wichtig es ist, dass diese Menschen nicht allein sind.
Wir sind dankbar für jeden, der sich mit uns verbindet – im Gebet und in konkreter Hilfe.
Schalom und freundliche Grüsse,
Marnix van Ede
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